Die psychische Belastung- Mental Load sichtbar machen

Einige Frauen neigen dazu, sich selbst aufzugeben, wenn sie sich auf das Abenteuer der Mutterschaft einlassen. Das haben sie von ihren eigenen Müttern gelernt, die ihre Mutterschaft in der Regel allein verwirklicht haben, mit einem oft abwesenden, beschäftigten und müden Ehemann in einer Nebenrolle. Auch die kulturelle Botschaft ist immer noch sehr stark, dass Frauen für das Wohlbefinden anderer verantwortlich sind.

Sicherstellen, dass genug auf der Einkaufsliste steht, eine Verabredung zum Spielen für Kinder organisieren, oder die Vorsorgeuntersuchungen zu buchen – die Liste der täglichen Aufgaben ist endlos. All diese kleinen Dinge werden zu einem Berg, den man allein bewältigen muss, was zu einer hohen psychischen Belastung führen kann. Mit dem Thema Mental Load möchten wir uns heute befassen.

Durch Corona und Initiativen wie den Equale Care Day wurde das Stichwort „Mental Load“ in diesem Jahr populärer. Wir sind der Meinung, dass man sich gar nicht früh genug mit diesem Thema auseinandersetzen kann: Wir möchten euch, liebe (werdende) Mütter ermutigen, euch schon vor der Geburt damit zu beschäftigen und mit euren Partner*innen darüber auszutauschen. Wenn ihr mit dem nötigen Wissen ausgestattet seid, und euch eure Bedürfnisse und Wünsche bewusst macht, habt ihr eine gute Chance dieses Thema von Anfang an fair anzugehen.


Unser Hinweis zum Weihnachtsstress
Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit sind wir übermäßiger Anspannung und Stress ausgesetzt, was auch zu Mental Load führen kann. Achtet bitte auf euch und lasst euch nicht von der Hektik der Weihnachtsvorbereitungen mitreißen. Delegiert einige Aufgaben, zögert auch nicht, um Unterstützung zu bitten, und nehmt euch Zeit für euch selbst.


Bleibt gesund
Das Babyhelfer-Team


Neues von uns: Ein Projektupdate

MyDoula-App-Studie

Die ersten App-Tester*innen haben unseren 8-wöchigen Kurs bereits beendet. Von einigen haben wir freudige Nachrichten bekommen- die Babys sind da! Herzlichen Glückwünsch an alle frisch-gebackenen Mütter🤗! Wir können es kaum erwarten, die Ergebnisse des letzten Fragebogens von Ihnen zu erhalten. Mit Hilfe von insgesamt vier Fragebögen werden wir analysieren können, ob /inwieweit die MyDoula-App Schwangere mental und emotional rund um die Geburt unterstützen kann.

Zudem haben wir auch die ersten Rückmeldungen zum Design der App und zu ihrem Inhalt erhalten. Wir warten noch auf weitere Meinungen, aber diese 3 Highlights möchten wir gerne jetzt schon mit euch teilen: 

1) Die Tester*innen fanden unsere MyDoula-Übungen und Meditationen sehr nützlich,
2) Die App ist zu 100% vertrauenswürdig,
3) Die App-Nutzer*innen zeigten das Bedürfnis, sich mit anderen zu vernetzen. Daher planen wir, eine Community-Funktion innerhalb der App zu implementieren, um diese Erwartung zu erfüllen💪!
Ideen und Anregungen sind immer willkommen 🙂.


Wer trägt die Last? Erkenntnisse zum Mental Load aus der Forschung

Die emotionale und mentale Arbeit hinter den üblichen Haushaltsaufgaben wurde meist übersehen (Ciciolla & Luthar, 2019). Eine Definition erfolgt teilweise über eine Liste mit den mentalen und organisatorischen Aufgaben rund um Familie & Haushalt. Manchmal wird sie auch als Zeit, die mit Gedanken an Familien-und Haushaltsarbeit verbracht wird, definiert (Ciciolla & Luthar, 2019).
In einer Studie (Ciciolla, L. & Luthar, S., 2019) mit knapp 400 Amerikanerinnen (65% erwerbstätig) wurde der Zusammenhang zwischen der Verantwortung für die sogenannte Sorge-Arbeit und der mentalen Gesundheit untersucht. 90% der befragten Frauen fühlten sich alleinverantwortlich für die Zeitplanung in der Familie, 80% waren Hauptansprechpartnerin für Lehrer*innen, zwei Drittel fühlten sich hauptverantwortlich für das Wohlbefinden ihrer Kinder. Insbesondere die unsichtbare, emotionale Arbeit saugt die Akkus leer: Sie stand in Zusammenhang mit Stress, Gefühlen der Leere und Unzufriedenheit mit der Partnerschaft und dem Leben insgesamt. Waren die Frauen für den Haushalt verantwortlich, fühlten sie sich oftmals überfordert, erschöpft und hatten weniger Zeit für sich selbst.
Auch Allison Daminger interviewte 35 Paare zum Thema Haushalt & Mental Load. Anhand der Aussagen ergaben sich vier Schritte für die einzelnen Aufgaben: Vorahnen, ermitteln, entscheiden, überwachen. Ein Beispiel: Unser Baby wird bald ein Jahr alt. Wir sehen vorher, dass dann auch ein Kinderarzt-Termin für die nächste Vorsorge ansteht. Wir ermitteln, welche Kinderärzte es gibt und wann uns ein Termin am besten passen würde. Wir rufen dort an und entscheiden uns für einen Termin. Dann überwachen wir die Aufgabe, z.B. indem wir alle Unterlagen zurecht legen und unser Kind zum Arzt begleiten. Vorahnen und Überwachen wurden dabei zum Großteil von den Frauen übernommen, während die restlichen Schritte meist geteilt wurden. Die Harvard-Forscherin sagte in einem Interview, dass viele Männer am Arbeitsplatz gute Planer und Organisatoren seien – aber seltener zu Hause. Die Verteilung der Aufgaben habe also weniger mit unseren tatsächlichen Fähigkeiten zutun als mit unserem Selbstbild. Sie wolle mit ihren Studien dazu beitragen, dass Paare Worte und Wege finden miteinander über diese Themen zu sprechen.

  • Ciciolla, L. & Luthar, S. (2019). Invisible Household Labor and Ramifications for Adjustment: Mothers as Captains of Households. Sex Roles, Vol.81, 467-486
  • Daminger,A. (2019). The Cognitive Dimension of Household Labor. Amercian Sociological Review, Vol.84 (4), 609-633

Unsere Lese-Empfehlung 

„Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles!: Was Eltern gewinnen, wenn sie den Mental Load teilen“ von Laura Fröhlich

In diesem wegweisenden Ratgeber schildert die Autorin emotional und nahbar, wie es zur ungleichen Verteilung in unseren Familien kommt – und wie wir gemeinsam mit dem Partner neue, faire Lösungen finden. Mit klugen Analysen und praktischen Tipps bringt sie Beziehungen wieder auf Augenhöhe.


Mit anderen Augen – Übung zum Perspektivwechsel

Die Aufgabenverteilung in der Partnerschaft anzusprechen, ist nicht immer einfach. Schnell fühlt sich jemand angegriffen oder nicht wertgeschätzt und gerät in eine Angriffs- oder Verteidigungsrolle. Das eigentlich konstruktive Gespräch wird zu einem Konflikt. Deshalb möchten wir einmal üben, die Perspektive des anderen zu übernehmen:
 
Stelle dir vor du liegst noch im Bett, es ist früh am Morgen und du spürst: Du steckst in einem anderen Körper! Du bist plötzlich hellwach und siehst – du bist als dein*e Partner*in aufgewacht. Versuche mal, nun in Gedanken einen ganzen Tag zu durchleben – also im wahrsten Sinne mit einem anderen Blick auf die Dinge. Welche Aufgaben stehen an? Worüber denkst du nach? Mit welchen Personen hast du Kontakt, wie fühlst du dich? Was kannst du genießen, was stresst dich? Wie verhalten sich die anderen Familienmitglieder? 
Am Abend spricht dein* Partner*in dich an, dass die Aufgabenverteilung in eurer Partnerschaft ihn/sie nicht glücklich macht. Was kommt dir sofort in den Kopf? Wie fühlst du dich?
 
Beende diese Übung und komm gedanklich wieder in deinem Körper und bei dir an. Lasse deine Gedanken nachwirken und – wenn du die Aufgabenverteilung in der nächsten Zeit ansprechen möchtest – gerne in euer Gespräch mit einfließen.

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